Ergonomie im Büro: Grundlagen

Beim Thema Ergonomie geht es vor allem darum, dass Arbeitsplatz, Arbeitsmittel, die Arbeitsumgebung und die Arbeitsorganisation den Menschen nicht oder nur positiv unter dem Aspekt seiner Leistungsfähigkeit, beeinflussen. Die Arbeitssituation muss sich den menschlichen Bedürfnissen anpassen und nicht umgekehrt. Es geht also um das sprichwörtliche Wohlfühlen am Arbeitsplatz und zwar in physischer wie psychischer Hinsicht.

Allerdings sind wir davon noch weit entfernt, was um so verwunderlicher ist, weil deutsche Unternehmen damit laut Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation auf 36 % der möglichen Arbeitsleistung an Büroarbeitsplätzen verzichten, nur weil Schreibtisch, Stuhl oder Bildschirm nicht ergonomisch ausgerichtet sind. Bedenkt man, dass die wesentlichen Entscheidungen auch in produzierenden Unternehmen zu 60 bis 80 % an Büroarbeitsplätzen getroffen werden und Bildschirmarbeitsplätze zunehmend Standard werden, wird der „ergonomische Handlungsbedarf“ noch deutlicher.

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Wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) ermittelt hat, geht statistisch gesehen jede vierte Krankschreibung auf Probleme am Muskel-Skelett-System zurück. Allein in den Verwaltungsberufen leiden 34,3 % der Beschäftigten gelegentlich unter Schmerzen im Rücken, jeder Zweite hat Beschwerden im Nacken, und jeder Dritte klagt über Kopfschmerzen.

Abgesehen von dem persönlichen Verlust an Lebensqualität sind auch die krankheitsbedingten Kosten gewaltig. Für einen Ausfalltag entstehen nach Berechnungen des Bundesministeriums  für Arbeit und Soziales durchschnittlich Kosten von 400 Euro. Schätzungen zufolge ergibt sich für die Unternehmen daraus bereits ein jährlicher Schaden im 3stelligen Milliarden Bereich ohne das die  Kosten für die  Produktivitätseinbußen mit beachtet wurden. Das immer noch ca. 20 % der 18 Millionen Bildschirmarbeitsplätze nicht den ergonomischen Mindestanforderungen genügen kann also keine Frage der Kosten sein, den die Einsparungen übertreffen die Investition um ein Mehrfaches.

Eine Hauptursache dieser Krankheitsbilder sind die sogenannten Zwangshaltungen unter denen viele Menschen im Büro täglich arbeiten. Dabei handelt es sich um statische Körperhaltungen die länger als vier Sekunden, unter angespannter Muskulatur ohne die Möglichkeit auf Entspannung eingenommen werden. Es fehlt die Bewegung. Vor allem das dauerhafte und über den Arbeitsbereich hinausgehende Sitzen hat eine verheerende Wirkung auf die Entwicklung der Gesundheit. Zwischen 6 bis 7,5 Stunden am Tag befinden wir uns ohne ausreichende Bewegung in sitzender Position. Bereits ab 3 Stunden sind gesundheitliche Beeinträchtigungen nachweisbar und bei mehr als 42 Stunden pro Woche steigt, laut einer spanischen Studie, sogar das Risiko für psychische Erkrankungen. Neben den allseits bekannten Schädigungen am Rücken und dem Bewegungsapparat hat das dauerhafte Sitzen außerdem weitreichende Folgen für den Fett- und Blutzuckerstoffwechsel und kann zu chronischen Erkrankungen führen. In verwaltungsintensiven Betrieben entfallen im Schnitt 80 % der Kosten auf das Personal aber nur 1 % fließt in die Ausstattung ihrer Arbeitsplätze. Ohne ergonomisches Umdenken wird sich der Produktivitätsverlust an diesen Arbeitsplätzen in Zukunft weder wirtschaftlich noch personalseitig kompensieren lassen.

Da Sport nach der Arbeit oder am Wochenende die Bewegung am Arbeitsplatz nicht ersetzen kann, muss ein wirkungsvoller Ansatz auch am Arbeitsplatz beginnen. Allein das Arbeiten im Stehen ist grundsätzlich gesünder und wesentlich effizienter als im Sitzen. Bis zu 50 % der Büroarbeitszeit im Sitzen und den Rest im Stehen oder in Bewegung zu verbringen, fordern Arbeitsmediziner. Entscheidend ist aber auch hier der regelmäßige Wechsel zwischen den Haltungsphasen. Diese sogenannte Sitz-Steh Dynamik lässt sich optimal mit höhenverstellbaren Schreibtischen umsetzen. Individuell einstellbare Sitz-Steh Tische mit einer entsprechend angepassten Möblierung sind das Mittel der Wahl wenn es um ergonomische Arbeitsplatzeinrichtung geht. Dabei ist die Art der Höhenverstellung nur eine Frage des Komforts, wichtig ist die präzise Abstimmung auf die Anforderungen des jeweiligen Nutzers. Ein Höhenverstellbereich von 65 bis mindestens 125 cm bietet dabei ideale Arbeitsverhältnisse für nahezu jede Körpergröße.

Die ergonomische Gestaltung von Arbeitssituationen erfordert immer eine ganzheitliche Herangehensweise. Jeder Mensch ist anders. Deshalb misst sich ergonomischer Wert auch in individueller Einstellbarkeit -und Anpassungsfähigkeit. Eine Investition in ergonomische Büroeinrichtung ist in jedem Fall wirtschaftlich sinnvoll, da zum einen Leistungsfähigkeit und Motivation gefördert und zum anderen krankheitsbedingte Ausfälle reduziert werden.

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)

§3 Grundpflichten des Arbeitgebers

§5 Beurteilung der Arbeitsbedingungen

§6 Dokumentation

Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)

§3 Beurteilung der Arbeitsbedingungen

§5 Täglicher Arbeitsablauf

Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)

§6 Arbeitsräume, Sanitätsräume, Pausen- und Bereitschaftsräume, Erste-Hilfe-Räume, Unterkünfte

DIN EN ISO 9241: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion (Bildschirmarbeitsplätze)
DIN EN ISO 10075: Ergonomische Grundlagen psychischer Arbeitsbelastung

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